Der Weihnachtswunsch

 

 
 
Eine Play­sta­tion 3, ein Nin­tendo DS, ein LCD-Fernseher, eine Hi-Fi-Anlage und so wei­ter. So lau­te­ten die Wün­sche von Chris­ti­nes Mit­schü­lern. An die­sem Tag wollte die Leh­re­rin Weih­nachts­wün­sche mit ihnen bespre­chen. 
Als Chris­tine an der Reihe war, zu erzäh­len, was sie sich wünschte, wur­den ihre Wan­gen rot. Sie hatte keine sol­chen Wün­sche und des­we­gen schämte sie sich. Ihr Vater hatte nicht das Geld so etwas Teu­res zu kau­fen. Chris­tine wünschte sich nur das Zusam­men­sein mit der Fami­lie. Ihre Mut­ter war vor knapp einem Jahr an Krebs gestor­ben. Sie wusste, wie es sich anfühlte, einen gelieb­ten Men­schen zu ver­lie­ren. „Ich wün­sche mir nur ein gemüt­li­ches Bei­sam­men­sein mit mei­nem Vater und Bru­der!“, sagte sie schüch­tern. 
„Was ist denn das für ein Quatsch!“, sagte Tho­mas, der Junge mit der Play­sta­tion 3. Sofort schos­sen Chris­tine Trä­nen in die Augen, ihr bedeu­tete es sehr viel. 
„Tho­mas ent­schul­dige dich!“, sagte die Leh­re­rin streng. 
„Wieso?“, sagte Tho­mas, als wäre er sich kei­ner Schuld bewusst. 
„Ihr kennt Weih­nach­ten nur noch der Geschenke wegen. Was für eine Bedeu­tung es wirk­lich hat, das wisst ihr nicht!“, schrie Chris­tine in die Klasse und rannte wei­nend raus. Die Leh­re­rin folgte Chris­tine und trös­tete sie. Tho­mas Ent­schul­di­gung spä­ter, das spürte Chris­tine, war nicht ernst gemeint. Die Tage ver­gin­gen und die Weih­nachts­fe­rien kamen. Am hei­li­gen Mor­gen schmückte Chris­tine, ihr Vater und Bru­der den Weih­nachts­baum. Chris­tine liebte diese Momente, sie ulk­ten herum und aßen Plätz­chen. Am Nach­mit­tag gin­gen sie in die Christ­mette. Jedes Jahr freute sie sich auf das Krip­pen­spiel, es war eine ihrer Lieb­lings­ge­schich­ten. Am Abend saßen sie zusam­men am Tisch und genos­sen ihr Weih­nachts­es­sen. Nach dem Mahl wid­me­ten sie sich dem Weih­nachts­baum. Es war Zeit für die Besche­rung, vor­her san­gen sie ein paar Weih­nachts­lie­der. Doch mit­ten in „Stille Nacht“, fiel auf ein­mal der Strom aus. Chris­tine erschrak kurz, aber die Ker­zen leuch­te­ten ja wei­ter. Die bei­den Män­ner mach­ten sich gemein­sam zum Siche­rungs­kas­ten auf. Doch Chris­tine, sie wusste nicht warum, ging zum Fens­ter und blickte hin­aus. Sofort sah sie, dass über­all in der Stadt kein Licht brannte und als sie dann zum Him­mel schaute, blieb ihr Mund offen ste­hen. Solch einen Him­mel hatte sie noch nie erblickt. Sterne eng anein­an­der­ge­reiht, wie Amei­sen auf ihrem Hau­fen, soweit das Auge reichte. Ein Stern fes­selte ihren Blick. Hell und glän­zend stand er am Him­mel. Er schien zu pul­sie­ren. In Chris­tine kam Wärme auf. Nicht so wie bei Fie­ber. Nein lieb­li­che Wärme, wel­che sie nur spürte, wenn ihre Mut­ter sie in den Arm nahm und sie trös­tete oder ihr Mut zusprach. Chris­tine lie­fen Trä­nen die Wan­gen hin­un­ter nicht vor Trau­rig­keit. Oh nein, sie war erleich­tert, denn sie wusste, dass ihre Mut­ter immer für sie da war. So unend­lich die Sterne sind, so unend­lich und ein­zig­ar­tig ist die Liebe zu ihrer Mut­ter. Wenn sie dies im Her­zen behielt, so konnte nichts und nie­mand sie tren­nen. Der Strom­aus­fall ließ an die­sem Abend die Play­sta­tion 3, den LCD-Fernseher und so wei­ter aus­fal­len und viele Fami­lien blick­ten zum Nacht­him­mel. Jeder sah den Stern und für jeden hatte er eine andere Bedeu­tung. Nur eines hatte jeder gemein­sam. Sie genos­sen das Zusam­men­sein mit Gelieb­ten.