Das Buch der verlorenen Seelen

Copyright by Michaela Giuliani

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Gemäch­lich schlen­der­ten die Men­schen die Gasse ent­lang, die rechts und links von Floh­markt­stän­den gesäumt wurde. An die­sem Mor­gen herrschte ein ange­neh­mes Klima, die Luft hing voll Sau­er­stoff, was einen auf­putschte und die Vögel, etwas abseits von dem Gesche­hen zwit­scher­ten fröh­lich ein Lied. Die Sonne ließ ihre Strah­len wär­mende auf der Haut tan­zen und somit jeden Gedan­ken an den ver­gan­ge­nen Win­ter ver­ges­sen. Reges Trei­ben zeigte bei den Händ­lern die Dol­lar­zei­chen in den Augen, das Wet­ter hatte daran den Haupt­an­teil, das war unum­strit­ten. Die Leute begut­ach­te­ten den Trö­del, der sich ihnen dar­bot, und feilsch­ten bei Inter­esse mit dem Ver­käu­fer. An man­chen Stän­den gab es antike Kost­bar­kei­ten, diese freu­ten sich nicht über einen ver­gleich­ba­ren Ansturm, für diese Sachen muss­ten echte Samm­ler her, die nicht nur auf ein Schnäpp­chen aus waren. 
Zu solch einem Lieb­ha­ber gehörte Michelle. In der Men­schen­an­samm­lung fiel sie nicht son­der­lich auf, außer das sie eine Spie­gel­re­flex­ka­mera in der Hand hielt und foto­gra­fierte. Sie würde jetzt sagen, nicht ein­fach nur eine Kamera, son­dern eine Canon EOS 7D SLR-Digitalkamera mit 18 Mega­pi­xel und 3 Zoll LCD-Display. Höchst­wahr­schein­lich gäbe sie, noch jede Menge Details, zu ihrem Schatz preis, aber sie erzählt ja nicht die Geschichte. Von ihrer Klei­dung her, Jeans und weiße Bluse, wel­che die bräun­li­che Haut durch­schim­mern ließ, war sie nor­mal geklei­det, die mit­ge­nom­me­nen schwar­zen Chucks hat­ten einige Kilo­me­ter gese­hen und fie­len einem sofort ins Auge. Das brü­nette Haar hatte sie zu einem Pfer­de­schwanz gebun­den, was sie aus­schließ­lich tat, wenn sie foto­gra­fierte, ansons­ten trug sie es gerne offen. Obwohl sie durch den Sucher der Kamera schaute, gelang es ihr nicht mit einer Per­son zusam­men­zu­sto­ßen. Geschickt wich sie den Leu­ten aus und knipste ohne Pause. An solch einem Mor­gen konn­ten circa fünf­hun­dert bis tau­send Foto­gra­fien ent­ste­hen. Manch einer fragt sich viel­leicht, wie das geht. Obgleich ein Foto­graf sagen würde, ist das alles. Sicher­lich waren bei die­sen Bil­dern nicht uner­heb­li­cher Daten­müll dar­un­ter, jedoch in der digi­ta­len Zeit spielt das keine Rolle. Löschen und fer­tig.
So lich­tete sie die Ver­kaufs­stände, die Men­schen, die mit Prei­sen han­del­ten und Dinge, wel­che nor­male Per­so­nen kei­ner­lei Beach­tung schenk­ten, ab. Sie genoss es mit Genug­tu­ung, denn jedes ein­zelne Foto erzählte im Nach­hin­ein ein anders Gesche­hen. Das war es im End­ef­fekt, warum Michelle mit Herz und Seele foto­gra­fierte. Die Sto­rys hin­ter den Bil­dern, die sie mehr fes­sel­ten, als ein Buch es je könnte.
Dem­zu­folge schrieb Michelle in die­sem Moment flei­ßig Geschichte, bis sie einen Stand in ihr LCD-Display bekam, der ihre Neu­gierde her­vor­rief. Der Ver­kaufs­tisch war mit rotem Saum­stoff über­zo­gen und prä­sen­tierte unter ande­rem ein Gram­mo­phon, ein Röh­ren­ra­dio aus Zei­ten von Uroma, jedoch nichts Anti­kes. Die­ser Kram war Michelle so oder so egal, ihr war etwas ins Auge gefal­len, was sie dazu bewegte sogar die Kamera, die sie mit einem Hal­te­gurt um den Hals trug, hän­gen zu las­sen.
Ein röt­li­cher Samt­ein­band, der deut­li­che Spu­ren des Alterns nach­wies, weckte ihre Neu­gier. Die gol­de­nen Ver­zie­run­gen waren teil­weise abge­blät­tert, aller­dings hatte die­ses alte Foto­al­bum irgend­et­was Magi­sches für Michelle. 
„Wel­che Geschich­ten ver­ber­gen sich wohl darin?“, fragte sie sich und griff nach dem Objekt der Begierde.
Ein Mes­sing­be­schlag mit einem klei­nen Schloss hin­derte sie daran, das Album zu öff­nen.
„So ein Mist“, flüs­tere sie.
„Kann ich ihnen hel­fen?“, fragte ein Mann hin­ter den Ver­kaufs­tisch. Die Haare, die auf dem Kopf nicht mehr vor­han­den waren, trug er im Gesicht in Form eines buschi­gen Bar­tes. Seine Kör­per­mitte war sehr beleibt und spannte das Hemd bis zur Grenze.
„Ich hätte Inter­esse an die­sem Foto­al­bum. Aber es ist ver­schlos­sen. Exis­tiert dazu ein Schlüs­sel?“
„Gewiss gibt es einen Schlüs­sel junge Dame.“
Er fum­melte unter dem Bart herum und brachte einen klei­nen sil­ber­nen Schlüs­sel zu Vor­schein. 
„Vor­treff­lich. Dürfte ich ihn haben? Ich würde gerne ein Blick hin­ein­wer­fen.“
„Ich fürchte, die­sen Gefal­len kann ich ihnen nicht tun.“
„Was soll das bedeu­ten?“
„Ganz ein­fach. Ich möchte das Album davor schüt­zen, dass jeder mit den Fin­gern darin her­um­blät­tert und even­tu­ell Schä­den ver­ur­sacht, die den Wert die­ses Stü­ckes sen­ken. So bekommt man ein makel­lo­ses Foto­al­bum aus dem 19. Jahr­hun­dert.“
„Das ist gut und schön, aber wer garan­tiert mir, das dort Foto­gra­fien drin sind, ein­zig darum geht es mir näm­lich, die wah­ren Schätze. Ich will es mal so Aus­drü­cken, ich kaufe nicht die Katze im Sack.“
„Da ver­stehe ich sie voll und ganz. Ich mache ihnen einen Vor­schlag. Falls wir uns eini­gen und sie das Buch öff­nen und sie die Sei­ten leer vor­fin­den, erstatte ich ihnen den Kauf­preis.“
Michelle run­zelte kurz die Stirn und schien zu über­le­gen.
OK, das klingt fair. Wo wir beim Preis wären. 120 € denke ich ist ange­mes­sen.“
„Ich glaube, ich habe mich ver­hört. Das Album ist bestimmt dop­pelt so viel Wert.“
„Viel­leicht? Aber nur dann, wenn Foto­gra­fien darin sind und da ich nicht hin­ein­schauen kann, ist das schwer zu beur­tei­len.“
„In die­sem Fall habe ich ihnen jedoch eine Garan­tie gege­ben. Also würde ich, sagen 170 €.“
„Das ist immer noch etwas hoch gegrif­fen. 140 €.“
„Wol­len sie mich Arm machen? 160 €.“
„150 €, das ist mein letz­tes Ange­bot.“
Der Ver­käu­fer rieb sich durch den Bart.
„Mmh. Also gut abge­macht.“
Michelle gab dem Mann das ver­ein­barte Geld und die­ser über­reichte den Schlüs­sel. Sofort öff­nete sie das Foto­al­bum, blickte kurz hin­ein und schloss es wie­der.
„Und? Was ist darin?“, fragte der Ver­käu­fer neu­gie­rig.
„Als hät­ten sie nie­mals hin­ein­ge­schaut“, ant­wor­tete Michelle mit einem ver­we­ge­nen Lächeln.
„Das habe ich nicht. Die Regel galt auch für mich.“
„Tja das nenne ich Pech.“
Michelle drehte sich um und machte sich auf den Nach­hau­se­weg. Die Span­nung auf das Foto­al­bum wuchs mit jeder Minute und sie war erleich­tert, als sie daheim ankam. Bevor sie sich ihrer Errun­gen­schaft hin­gab, stellte sie einen Kaf­fee auf, dies war ihr zwei­tes Las­ter. Mit der damp­fen­den Tasse ging sie anschlie­ßend in ihr Arbeits­zim­mer, wo sie das Album auf ihrem gro­ßen Eichen­schreib­tisch hin­ge­legt hatte. Sie setzte sich in den Chef­ses­sel, gönnte sich einen Schluck von dem schwar­zen Gesöff und öff­nete das Buch. Ein Hauch von Magie ent­stand und Michelle ver­sank in den Foto­gra­fien. Es war ein­fach eine Pracht diese alten Bil­der zu sehen. Der Zustand, leicht erblasst und gelbsti­chig hätte bes­ser sein kön­nen, aller­dings für die­ses Alter waren die Auf­nah­men trotz allem her­vor­ra­gend. Das Foto­al­bum prä­sen­tierte indes keine Por­träts von Men­schen, ledig­lich Land­schafts­bil­der und Stadt­bil­der. Ein­ein­zi­ges Foto war dar­un­ter, das Per­so­nen ent­hielt und Michelle war von die­sem Bild am meis­ten gebannt. Es zeigte drei Jungs im Alter von 13 oder 14 Jah­ren. Sie saßen um ein Lager­feuer jeder mit einem Stock in der Hand, wo ein Stück Wurst befes­tigt war, wel­che sie im Feuer rös­te­ten. Im Hin­ter­grund sah man Bäume, wor­auf man schlie­ßen konnte, dass sie sich in einem Wald befan­den. Einer der Bur­schen hatte den Rücken zuge­dreht und die bei­den ande­ren lach­ten fröh­lich.
Die Sorg­lo­sig­keit in ihren Gesich­tern ließ Michelle sogleich an ihre Kind­heit den­ken, als alles noch unbe­küm­mert war. Es gab keine schö­nere Zeit wie als Kind. Mit jedem Jahr, das man älter wurde, wuch­sen die Sor­gen. Ein Phä­no­men, das nie­mand rich­tig erklä­ren kann, letz­ten Endes machte man sich als Erwach­se­ner selbst die Pro­bleme. Sie starrte lange auf die Foto­gra­fie und sie bemerkte, dass das Feuer fla­ckerte. Oder war es eine Ein­bil­dung? Sofort rieb sie sich die Augen und legte das Buch hin. Beim zwei­ten Blick fiel ihr nichts außer­ge­wöhn­lich auf. „Oh man. Jetzt spielt dir dein Hirn einen Streich“, sagte sie zu sich und sah etwas hin­ter dem Bild her­vor­kom­men.
„Was ist das?“ Michelle zog an der Papier­ecke, die raus­ge­rutscht war und holte ein zusam­men­ge­fal­te­tes Stück Papier her­vor. Sie schlug es auf und erkannte das jemand etwas nie­der­ge­schrie­ben hatte. Sie fing an zu lesen.

Mein Name ist Jakob, und da dies das letzte Bild mei­ner Freunde ist, möchte ich die Geschichte dazu nie­der­schrei­ben, denn kurz nach die­sem Bild sind sie ver­schwun­den. Der Rechte im Bild ist Hans und der Linke ist Peter, meine Wenig­keit zeigt den Rücken. Jedoch ein schö­ner Rücken kann auch ent­zü­cken. Es war ein herr­li­cher Tag, ich erin­nere mich genau. Es war ein Sonn­tag, des­halb hat­ten wir Zeit für in den Wald zu gehen, denn wäh­rend der Woche muss­ten wir alle auf dem Feld arbei­ten. Wir beschlos­sen ein Feuer zu machen, schließ­lich hatte Hans eine Wurst dabei, die wir bra­ten woll­ten. Der Vater von ihm fabri­zierte aus­ge­zeich­nete Wurst. So saßen wir am Lager­feuer und mach­ten unsere Späße. Wir lach­ten viel und bald hielt der Abend ein. Wenn ich zurück­denke, war es einer der schöns­ten Tage, die wir mit­ein­an­der ver­brach­ten.
Die Sonne war kaum unter­ge­gan­gen, da pas­sier­ten selt­same Dinge. Zuerst hör­ten wir kna­cken im Unter­holz, was im Wald schon ein­mal vor­kom­men kann. Aber dann ver­nah­men wir eine Frau­en­stimme, die um Hilfe rief. Doch nicht laut und in Panik, son­dern sanft und leise, wie vom Wind her­ge­tra­gen.
„Hört ihr das?“, fragte Hans unsi­cher.
„Oh ja“, bestä­tig­ten wir zwei im Chor.
„Wir soll­ten nach­schauen, woher das kommt“, schlug er vor. „Was wenn wirk­lich jemand in Not ist.“
„Ich weiß nicht?“, flüs­terte Peter ängst­lich.
„Ist doch kein Pro­blem, Peter. Hans und ich kon­trol­lie­ren was dort pas­siert und du bleibst beim Lager­feuer“, sagte ich, weil ich erfasste, welch eine Angst Peter hatte. Er ließ sich das nicht zwei­mal sagen und so gin­gen Hans und ich in den Wald und such­ten die Frau. Schät­zungs­weise eine halbe Stunde, durch­streif­ten wir die Umge­bung. Jedoch eine hilfs­be­dürf­tige Per­son haben wir keine gefun­den. Wir beschlos­sen zurück­zu­keh­ren, da es kei­nen Sinn machte im Dun­keln her­um­zu­strei­fen. Zurück am Feuer erkann­ten wir sofort, dass Peter ver­schwun­den war. Zuerst dach­ten wir an einen Scherz von ihm, aber er hatte von Anfang an Angst und dem­nach war dies unwahr­schein­lich. Hans und ich ent­schie­den uns, das wir uns auf­zu­tei­len, damit wir Peter schnellst­mög­lich fin­den, was sich im Nach­hin­ein als Feh­ler her­aus­stellte. Als wir uns trenn­ten, ver­ab­re­de­ten wir, dass wir uns in einer hal­ben Stunde aber­mals am Lager­feuer tra­fen. Die Zeit ver­ging, bloß Hans kam nicht zurück. Ich stand alleine am Feuer und wusste, nicht wo meine Freunde hin ver­schwun­den waren. Mitt­ler­weile war es stock­fins­ter, die Flamme loderte und brachte spär­lich Licht. Doch durch das Fla­ckern hatte es den Anschein, das die Schat­ten tanz­ten und mich über­lief es. Ein dickes Holz­scheit knackte laut, so dass ich erschrak und dann hörte, ich sie.
Hans und Peter rie­fen um Hilfe, genauso wie die Frau. Ich musste ihnen hel­fen und ich machte mich auf die Suche. Trotz Angst und zitt­ri­gen Knien knickte ich nicht ein.
„Hans! Peter!“, schrie ich in die Dun­kel­heit und die Hil­fe­rufe wur­den ver­nehm­ba­rer. Es dau­erte nicht lange, da ent­deckte ich ein Licht­quelle und ich schlich vor­sich­tig dar­auf zu. Es kam eine Wald­hütte zum Vor­schein, in der Licht brannte. Die dicken Holz­stämme des Häus­chens waren von den Jah­ren und der Wit­te­rung ver­blasst und gräu­lich, also nicht unbe­dingt das gemüt­li­che Haus mit einem Kamin­feuer. Jedoch konn­ten dort meine Freunde gefan­gen sein. Bedäch­tig näherte ich mich der Hütte. Die Tür stand offen und ich glitt behut­sam rein. Drin­nen roch es muf­fig und ver­las­sen, ange­sichts die­ser Tat­sa­che und Gestan­kes hielt es keine Men­schen­seele an jenem Ort aus. Den­noch hörte ich Hans und Peter erneut und dies­mal ganz Nahe, direkt in einem der Zim­mer vor mir. Ohne die Gefahr zu ach­ten, trat ich hin­ein. In die­sem Raum befand sich ein Schreib­tisch, der mit Ker­zen über­sät war. Das Wachs lief an ihnen her­un­ter und bil­dete fabel­hafte Wachs­kon­struk­tio­nen. In der Mitte des Tischs lag ein auf­ge­schla­ge­nes Buch und ich begut­ach­tete es. Es traf mich fast wie ein Schlag, als ich ein Foto erblickte, auf dem meine Freunde waren. Es klingt viel­leicht ver­rückt, aber sie beweg­ten sich im Bild und rie­fen um Hilfe. Ich ver­lor bei­nahe den Ver­stand. Oder tat ich es nicht? Ach was soll ich um den hei­ßen Brei her­um­re­den. Ich war selbst­ver­ständ­lich nicht scho­ckiert, schließ­lich sind die bei­den in meine Falle getappt und mit deren See­len konnte ich mein Leben ver­län­gern. Der ein­zige Haken daran ist, dass eine Seele nicht ewig hält und wenn sie noch so jung ist, erst recht.

Michelle rümpfte die Nase und hob die Augen­brauen.
„Man diese Kids von damals hat­ten aber eine ganz­schöne Fan­ta­sie.“
Sie schaute über den Brief hin­weg auf die Foto­gra­fie und ein kal­ter Schauer lief ihr durch den Kör­per. Der Junge, des­sen Rücken man bis­her nur erkannte, hatte sich umge­dreht und blickte aus dem Bild hin­aus. Da wo bei nor­ma­len Men­schen die Pupil­len zu sehen sind, befand sich bei ihm nichts, als würde das Auge rein aus der Sklera beste­hen. Die Zähne waren die eines Raub­tie­res, wel­che gehäs­sig grins­ten. Michelle stand unter Schock und die­ser ver­schlim­merte sich, als die­ses Mons­ter anfing, sich zu bewe­gen. 
„Deine Seele gehört mir!“, erklang eine teuf­li­sche Stimme aus dem Foto und Michelle konnte nur bewe­gungs­los zuschauen. Erstarrt vor Angst starrte sie in die­ses dämo­ni­sche Foto­al­bum. Sie spürte die Wärme des Lager­feu­ers, roch das nasse Laub eines Herbst­ta­ges und mit einem Schlag schoss eine Pranke aus dem Bild, packte sie und zog sie hin­ein. 

Der rote Saum­stoff glänzte im Son­nen­schein und brachte die Arti­kel gut zum Vor­schein. Beson­ders ein altes Foto­al­bum mit Samt­ein­band und gol­de­nen abblät­tern­den Ver­zie­run­gen. Es lag offen da und prä­sen­tierte sich in vol­ler Pracht.
„Schau mal Schatz, ist die­ses Foto­al­bum nicht wun­der­schön. Ich schätze, das ist 19. Jahr­hun­dert“, sagte eine Frau zu ihrem Mann.
„Willst du es haben?“, fragte der er gedul­dig.
„Es wäre gelo­gen, wenn ich nein sagen würde“, grinste sie ihn an.
„Was solle es kos­ten?“
„Bes­ten­falls eine Seele“, lachte der Ver­käu­fer durch den dicken Bart. Er blickte auf die auf­ge­schla­gene Seite des Albums. Auf dem Bild erkannte man Michelle an ihrem Schreib­tisch mit einer damp­fen­den Tasse Kaf­fee und einem Buch vor sich. Ihr Blick schien weni­ger glück­lich, und wenn man ganz­ge­nau hin­schaute und damit ist wahr­lich ganz­ge­nau gemeint, dann sah man, dass die Augen sich beweg­ten und in der Nacht bei abso­lu­ter Ruhe ver­nimmt man noch heute die Hil­fe­schreie der ver­lo­re­nen See­len. Letz­ten Endes war die­ses Foto­al­bum nichts anders wie das Buch der ver­lo­re­nen Seelen.